mercredi 17 janvier 2018

Baierische Zeit-Dokumente 1: Die Selbst-Bekenntnisse König Ludwigs II. von Bayern



Im Jahre 1919 erschien das Blatt Bayerische Zeit-Dokumente. Es war ein vierseitiges DINA3-Faltblatt, das sich voral verschiedenen bayerischen königlichen  Themen widmete. Einige Ausgaben, wie diese (Nr.1), beschäftigen sich mit König Ludwig II. Diese Publikation hat mich besonders interessiert, weil sie ein großer Tel einer deutschen Übersetzung eines Artikels von Lew Vanderpoole in einer Ausgabe von Lippincott's Zeitschrift von 1886 wiedergibt, die ich bereits an anderer Stelle analysiert habe*.

Dieser gesamte 1919 Text  wurde in Ludwig Belows 1926 erschienenem Roman Dem Toten die Ehre mit minimalen Änderungen reproduziert (  Kapitel 35 in Below, Ludwig, Dem Toten die Ehre / Entsiegelte Dokumente / Treue Bayernherzen ihrem Liebling als Denkmal. / Roman eines Königstraumes nach ganz neuerschlossenen Quellen. /26 Liefgrn., München, Bayerischer Volks-Verlag, 1926).

Text dieser ersten Ausgabe

"Ludwig II. war auf allen Gebieten der Literatur zu Hause, er besaß eine umfassende Belesenheit; seine Vorliebe für Klassiker ist bekannt: Schiller und Göthe sind seine Ideale geworden und er kannte fast jede Zeile aus Tell, Maria Stuart u. a. auswendig. Für Schiller hatte er eine hohe Verehrung und [die Werke] dieses Dichterfürsten durften auf der Bühne keine Streichung oder-Verkürzung erfahren. Wie Ludwig I. sagte: "Wo es sich um Schiller handle, da höre jedes Bedenken auf", so sagte auch sein Enkel: "Bei Schiller ist jedes Wort heilig".

Professoren mit welchen der König bis zum Jahre 1875 regelmäßig verkehrte, hatten die Kenntnisse Ludwigs auch in der französischen und englischen Literatur hervorgehoben. Noch 1886 hatte der Münchner Schriftsteller Julius Grosse sein Werk Der getreue Eckart dem König zugesandt und dafür ein Dankschreiben aus dem Kabinett erhalten. Wir erwähnen diesen Umstand noch besonders weil im ersten Kapitel dieses Romans das Schicksal des österreichischen Grafen Mailath geschildert wird, der sich 1855 mit seiner Tochter im Starnbergersee ertränkte, unfern der Stelle , an welcher Ludwig II. selbst wenige Wochen nach Übersendung genannten Werkes sein tragisches Ende fand. 

Den Lese- und Bildungseifer des Königs schildert  zutreffend sein Vertrauter Prinz Ludwig von Hessen; er schrieb: "Ludwig war eine großartig angelegte Natur! Schon als junger Mann ging er nie auf die Berge, ohne seine Bücher mitzunehmen; bei Reisen wurden die Koffer mit planvoll ausgewählten  Büchern versehen. Er hat die  philosophischen Schriften Von L. Feuerbach mit wahrem Heißhunger verschlungen. Wo die gewaltigen Aussprüche desselben sein tiefstes Denken und
Fühlen bewegten, da hat er einzelnes mit seiner Umgebung durchgesprochen . . . Ich kann nicht genug rühmen, mit welch bewundernswerter Geistesschärfe er alles rasch durchschaute und wie er eine erstaunliche Menschenkenntnis bekundete".

Und Karl Heigel erzählt: " Auf seinen Schlösser hatte er keine andere Gesellschaft als Bücher; er las, las, las...  Seine Belesenheit war erstaunlich; er hatte die Werke Ranke’s ebenso gründlich studiert ebenso wie die 17 Bände des Duc de Luynes. Er kannte  den ganzen Goethe und [...] sämtliche Opern, Shekaspeare [sic], Poe... "

Durch letzteren und ein Empfehlungsschreiben einer hochgestellten Persönlichkeit kam der Amerikaner Lew Vanderpool auf seiner Reise zu der großen Ehre im Februar 1882 von König Ludwig II. in München empfangen zu werden. Im Lauf des Gesprächs kam der König auf diesen von ihm besonders verehrten Dichter, den Amerikaner Edgar Poe, mit seinem Gast zu sprechen und fügte diesem Gespräche Gedanken und Aussprüche bei, die nichts anders als Selbstbekenntnisse zu deuten sind. [... Folgt   ein großer Teil einer Übersetzung des in Lippincotts Magazine publiziert Vanderpool-Artikels*, in dem der König seine Bewunderung für Poe bekennt und seine eigene Geisteshaltung offenbart.]

Soweit die Aufzeichnungen des Amerikaners, die er, in seine Heimat zurückgekehrt, in der Philadelphia Revue veröffentlicht.

Dieses Zurückziehen von der Welt seitens des Könige, seine Menschenscheu, schildert besonders zutreffend sein Kabinetssekretär Bürkel; dieser erzählt : "Ich hatte ihm (dem König) die Einladung seiner Hauptstadt zu einer Jubelfeier (1880) zu überbringen. Natürlich weigerte er sich. Ich drang in ihn und schilderte ihm, wie ihn sein Volk liebe und ihn mit Jauchzen nach so langen Jahren in München empfangen würde. Ich kann nicht! Ich kann nicht! " , erwiderte er mir, sich die Stirne reibend . Es ist entsetzlich, aber ich kann es nicht mehr ertragen, mich von tausenden von Menschen anstarren zu lassen, tausendmal zu lächeln und zu grüßen. Fragen an Menschen zu richten, die mich gar nichts angehen. Antworten zu hören, die mich nicht interessieren. Nein, nein, ich kann aus der Einsamkeit nicht mehr heraus! ".  Er zeigte mir einmal ein seit seiner Jugend geführtes Tagebuch, das, wie ich höre, aus guten Gründen bei seiner Verhaftung zu allererst in Sicherheit gebracht wurde. Das ganze Buch war, soweit ich es flüchtig durchblättern konnte ein Aufschrei, ein Hilferuf, ein Gesang aus  der Dante'schen Hölle, Tragödie im großen Stil.

Über die  in seinen " Bekenntnissen " erwähnte Empfindlichkeit, über seinen Stolz noch einige Beispiele aus seiner Jugend.

Vergaß sein Bruder Otto sich, beim Verlassen oder Betreten eines Raumes ihm den Vortritt zu überlassen, so bäumte sich verletzt sein ganzes Wesen auf. Ward er von einem Unwohlsein befallen, weigerte er sich entschieden, daß der Arzt ihn berühre. Nur der Befehl seines Vaters konnte ihn bestimmen, sich den Puls befühlen zu lassen, den Arzt traf dabei ein stolzer-, flammender Blick aus dem Auge Ludwigs. 

G. L.  Schauenberg "

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